Produktbilder im E-Commerce: Warum bessere Fotos für mehr Vertrauen und höhere Conversions sorgen

Ich hab letztens auf Amazon nach einer ganz normalen Edelstahl-Trinkflasche gesucht. Gleiches Produkt, gleiche Größe, vermutlich aus derselben Fabrik in China. Aber ein Anbieter hatte Produktbilder, die aussahen wie aus einem Lifestyle-Magazin – sauberer Hintergrund, Detailaufnahmen vom Verschluss, ein Bild mit der Flasche im Rucksack. Der andere hatte ein verschwommenes Handyfoto auf einer Küchenarbeitsplatte. Ratet mal, wer 4 Euro mehr verlangen konnte. Und bei wem ich bestellt habe.

Das war keine irrationale Entscheidung. Das war menschliche Psychologie – und die Zahlen dahinter sind ziemlich eindeutig.

Warum Produktbilder die Kaufentscheidung im Online-Shop dominieren

93 % aller Online-Käufer sagen, dass die visuelle Erscheinung eines Produkts der wichtigste Faktor bei ihrer Kaufentscheidung ist. Nicht die Beschreibung. Nicht die Bewertungen. Die Bilder. Weil wir online nichts anfassen, drehen oder gegen das Licht halten können. Das Produktbild ist alles, was wir haben – und unser Gehirn trifft die erste Bewertung in Bruchteilen einer Sekunde. Bevor der rationale Verstand überhaupt eingeschaltet hat.

Ein gutes Produktfoto verkauft also nicht nur dein Produkt. Es verkauft die Idee, dass dein Produkt gut ist.

Professionelle Produktbilder schaffen Vertrauen – und rechtfertigen höhere Preise

Hier wird es richtig interessant. Käufer interpretieren die Qualität der Produktbilder unbewusst als Stellvertreter für die Qualität des Anbieters. Wer sich die Mühe macht, ordentliche Produktfotos zu erstellen, dem traut man auch bei Verpackung, Versand und Service mehr zu. Das ist wie im Restaurant: Wenn die Speisekarte schmierig ist, bezweifelst du auch die Küche.

Und das hat direkte Auswirkungen auf die Zahlungsbereitschaft. Eine Studie der Humanities and Social Sciences Communications zeigt, dass Konsumenten für Produkte auf vertrauenswürdig wirkenden Angeboten mehr bezahlen – selbst wenn das identische Produkt anderswo günstiger ist. Laut einer EY-Umfrage würden 35 % der Konsumenten weltweit einen Aufpreis für eine Marke zahlen, der sie vertrauen. Bei der Gen Z sind es sogar 55 %.

Vertrauen ist also kein weiches Gefühl. Es hat einen konkreten Geldwert.

So stark steigern hochwertige Produktfotos die Conversion Rate

Produkte mit professionellen Fotos erzielen laut Shopify bis zu 40 % höhere Conversion Rates. Eine E-Commerce-Auswertung aus 2024 kommt sogar auf 94 % höhere Conversions bei hochwertigen gegenüber minderwertigen Produktbildern. Und eine eBay-Studie fand heraus, dass der Sprung von null auf ein Produktbild die Conversion verdoppelt – von einem auf zwei Bilder verdoppelt sie sich nochmal.

Dazu kommt: 42 % der Online-Käufer verlassen sich laut Baymard Institute auf Produktbilder, um die Größe eines Artikels einzuschätzen. Wer keine Nahaufnahmen, keine verschiedenen Perspektiven und keine Größenverhältnisse zeigt, schickt seine Kunden in den Blindflug. Und Blindflüge enden mit Retouren.

Rechenbeispiel: Was bessere Produktbilder in Euro bedeuten

Machen wir es konkret. Unsere Trinkflasche: 3,80 € Einkauf, 15,00 € Verkauf, 11,20 € Marge. Mit einem schlechten Produktfoto verkaufen wir 2.500 Stück im Jahr. Jetzt upgraden wir die Bildqualität – konservativ gerechnet, deutlich unter dem, was die Studien sagen.

Schlechtes Bild Mittelmäßig (+30 %) Professionell (+25 %)
Verkaufte Stück/Jahr 2.500 3.250 4.063
Umsatz 37.500 € 48.750 € 60.945 €
Rohgewinn 28.000 € 36.400 € 45.506 €
Mehrgewinn vs. Start +8.400 € +17.506 €

17.506 Euro mehr Gewinn im Jahr. Gleiches Produkt, gleicher Preis – nur bessere Produktbilder. Und was kostet ein professionelles E-Comm Foto 200 bis 500 Euro? Das hat sich nach wenigen Wochen amortisiert und arbeitet dann 12 Monate für dich. Wenige Maßnahmen im E-Commerce haben ein so klares Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Und wir reden hier über ein einziges Produkt. Wer 100 Artikel im Shop hat, kann sich ausrechnen, was passiert, wenn er das über das gesamte Sortiment skaliert.

Foto, KI-Bild, 3D-Rendering oder Video – das Medium ist egal

„Müssen das denn professionelle Fotos sein?" – Die Frage kommt immer. Und die ehrliche Antwort: Dem Kunden ist es völlig egal, wie dein Produktbild entstanden ist. Ob ein Fotograf im Studio stand, eine KI das Bild generiert hat, ein 3D-Artist dein Produkt gerendert hat oder du ein kurzes Produktvideo gedreht hast – was zählt, ist einzig das Ergebnis. Sieht es professionell aus? Kann ich das Produkt gut erkennen? Bekomme ich ein Gefühl dafür, wie es sich in echt anfühlt?

Die Technik ist nur das Werkzeug. Was entscheidet, ist dein Anspruch. Ein lieblos gerendertes 3D-Bild überzeugt genauso wenig wie ein schlechtes Foto. Und ein wackeliges Handyvideo schadet mehr, als es hilft. Es geht nicht ums Format – es geht darum, dass dein Kunde auf den ersten Blick sieht: Hier stimmt die Qualität. Hier kann ich vertrauen.

Fazit: Produktfotografie ist die unterschätzteste Investition im E-Commerce

Die wenigsten Online-Händler machen sich diese Rechnung jemals auf. Deshalb sehen die meisten Produktseiten so aus, als hätte jemand zwischen Tür und Angel ein Foto geschossen. Nicht weil professionelle Produktbilder so teuer wären – sondern weil vielen schlicht nicht klar ist, wie direkt der Zusammenhang zwischen Bildqualität und Umsatz wirklich ist.

Also: Schau dir heute mal deine eigenen Produktbilder an. Nicht als Händler, der sein Sortiment kennt – sondern als Kunde, der zum ersten Mal auf deine Seite kommt. Würdest du bei dir kaufen?

Daniel Reinhold

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